Vaterschaftsgutachten

Privatgutachten - gerichtsverwertbar

Die formalen Anforderungen an ein gerichtsverwertbares Gutachten sind höher, als bei einem Gutachten, das ausschließlich der privaten Information dient. Die Anforderungen wurden hier in der Richtlinie der Gendiagnostik-Kommission (GEKO) für die Anforderungen an die Durchführung genetischer Analysen zur Klärung der Abstammung und an die Qualifikation von ärztlichen und nichtärztlichen Sachverständigen gemäß § 23 Abs. 2 Nr. 4 und Nr. 2b GenDG festgelegt.

Eine entscheidende Voraussetzung für die mögliche gerichtliche Anerkennung des Gutachtens ist die zweifelsfreie Identitätsfeststellung aller beteiligten Personen – inklusive der Kindesmutter. Für eine Untersuchung sind also die Proben von Mutter, Kind und Vater notwendig. Hierzu existieren exakte Dokumentationsvorschriften. Die Probenentnahme sowie die Dokumentation muss von einer unabhängigen Person (z.B. einem Arzt oder bei der Biofocus) durchgeführt werden. Die Kosten für ein gerichtsverwertbares Biofocus-Gutachten liegen nicht höher, als bei einem Gutachten für die rein private Orientierung. Hinzu kommen allerdings die Gerichts- und Anwaltskosten.

Beispiele für den Verzicht auf die Einbeziehung der Kindesmutter im Ausnahmefall sind:
a. wenn sie verstorben ist;
b. wenn sie kein Sorgerecht besitzt und nicht mit dem Kind zusammenlebt;
c. wenn sie nicht einwilligungsfähig i. S. §14 GenDG ist;
d. wenn das Kind volljährig ist;
e. wenn sie nicht die biologische Mutter des Kindes ist.

Hinweis:
Auch das gerichtsverwertbare Gutachten ist ein privates Gutachten und muss nicht automatisch von einem Gericht anerkannt werden. Die Entscheidung über die Anerkennung eines Privatgutachtens trifft der verantwortliche Richter. Ein Privatgutachten ohne Beteiligung der Kindesmutter hat keinerlei Beweiskraft vor Gericht und kann für eine Vaterschaftsklage grundsätzlich nicht verwendet werden.