Tiergenetik - Vogel

Virale Erkrankungen bei Vögeln

PBFD – Die gefürchtete Feder- und Schnabelerkrankung ist nicht heilbar

Die erstmals 1975 beschriebene Feder- und Schnabelerkrankung der Papageien oder auch kurz PBFD (Psittacine Beak and Feather Disease) genannt, wird durch Circoviren hervorgerufen und endet in der Regel tödlich. Zunächst nur bei Kakadus diagnostiziert, findet sich die Erkrankung mittlerweile bei über 40 anderen Vogelarten. Kürzlich wurden Symptome der Erkrankung sogar bei Rabenvögeln beobachtet. Allerdings wurde hier bislang nicht der bekannte Virusstamm nachgewiesen.

Das heimtückische an dieser Erkrankung ist die extrem hohe Ansteckungsgefahr und der Umstand, dass bei adulten Tieren eine Infektion verborgen bleiben und sich das Virus so unbemerkt weiter im Tierbestand ausbreiten kann. Der ursprüngliche Virusträger wird so nicht sofort ausfindig gemacht.

Sinnvoll ist es daher in jedem Falle, bei einem Verdacht auf PBFD den Symptomträger sofort aus dem Bestand zu nehmen und den Verdacht einer Infektion über einen DNA-Test abzusichern. Da nicht auszuschließen ist, ob bereits andere Tiere infiziert wurden, sollte ebenfalls jedes Tier diesem Test unterzogen werden. Vor der Neueinstellung eines Tieres ist zu empfehlen, zuvor einen DNA-Test auf die Infektion mit dem PBFD-Erreger durchführen zu lassen.

  • Symptome und Verlauf der PBFD
    Das Virus vermehrt sich in den Organen des Immunsystems (Thymus und Bursa Fabricii) sowie in der Kropf- und Ösophagusschleimhaut. Die Übertragung auf andere Tiere erfolgt über Kot, Federstaub und über den Kropfinhalt beim Füttern der Jungtiere. Aber auch über die Eischale wird das Virus frühzeitig auf die Jungtiere übertragen. Als weiterer Übertragungsweg kommt über den Federstaub die Kleidung des Tierhalters in frage.

  • Nachweis der Infektion
    Solange noch keine eindeutigen Symptome vorliegen, ist die einzige Möglichkeit eine Infektion sicher festzustellen der molekulargenetische Nachweis über eine PCR (Polymerase Chain Reaction). Dies ist das modernste, schnelle und sehr kostengünstige Verfahren, das Vorliegen des Virus zu bestätigen. Im Falle frisch infizierter Tiere kann eine Infektion unter Umständen nicht nachgewiesen werden, da der Virustiter noch unterhalb der Nachweisgrenze liegt. Deshalb empfiehlt es sich, den Test nach etwa 3 Monaten zu wiederholen.


Hinweise zum Probenmaterial


Das aviäre Polyomavirus – Ursache der „Französischen Mauser“
Infektionen mit dem aviären Polyomavirus (APV) wurden Anfang der achtziger Jahre zuerst in Wellensittichzuchten in den USA und Kanada beschrieben. Mittlerweile tritt die Infektion auch bei zahlreichen anderen Vogelarten weltweit auf und ist unter den Synonymen „Französische Mauser", Nestlingskrankheit der Wellensittiche", „Rennerkrankheit" oder „Hopserkrankheit" bekannt geworden. Neben der PBFD zählt eine Infektion mit dem APV bei Psittaciden zu den bedeutsamsten Erkrankungen mit z.T. großen wirtschaftlichen

  • Symptome und Verlauf der Infektion
    Kennzeichnend für eine Polyomainfektion ist die hohe Nestlingssterblichkeit. Die Erkrankung tritt bei verschiedenen Vogelarten in unterschiedlichem Alter zwischen der 2. und 14. Woche auf und kann in Abhängigkeit von der Vogelart unterschiedlich verlaufen. Als klinische Symptome werden vor allem Federveränderungen, insbesondere der Schwanz- und der großen Flügelfedern, sowie unterschiedliche Organerkrankungen beobachtet.
    Beim akuten Verlauf treten bei jungen Wellensittichen Verluste plötzlich und ohne erkennenswerte klinische Symptome innerhalb von 1 bis 21 Tagen auf. Die Inkubationszeit beträgt weniger als 7 Tage und verläuft zu 80% bis 100% tödlich, bei Nicht-Wellensittichen sind die Verluste bei den Jungtieren oftmals geringer. Vereinzelt wurden in dieser Zeit bei den Küken auch ein Zittern am Kopf und den Gliedmaßen beobachtet. Als weitere Hinweise auf eine Infektion gelten Appetitlosigkeit, Kropfstau, Würgen, Durchfall, Gewichtsverlust und Blutungen der Federfollikel.
    Der chronische Verlauf zeigt sich beim Wellensittich vor allem in Befiederungsstörungen der heranwachsenden Jungvögel (verzögertes Wachstum, Ausfall der Federn). Wegen der eintretenden Flugunfähigkeit werden die betroffenen Tiere daher „Hopser“ oder „Renner“ genannt.
    Jungvögel, die überleben, zeigen nach der ersten oder zweiten Mauser ein normales Gefieder. Tiere mit chronischem Krankheitsverlauf überleben nicht selten die Erkrankung und zeigen später keinerlei Symptome mehr, können aber lebenslang Virusträger sein. Durch Stresssituationen (Belastung bei der Brut, Verletzungen, Infektionen mit anderen Erregern) können sie fatalerweise wieder zu Virusausscheidern werden und bedeuten dann eine enorme Gefahr für den gesamten Bestand.

  • Übertragung der Krankheit
    Das APV kann alle Psittaciden infizieren. Als besonders gefährdet gelten neben Wellensittichen, Aras, Keilschwanzsittiche, kleine Halsbandsittiche und Edelpapageien. Übertragen wird das APV über Kot, Federstaub, Kropfinhalte und Kleidung.

  • Nachweis der Infektion
    Da auch Tiere ohne nachweisbare Antikörper infiziert sein können, ist der sicherste Weg, eine Infektion festzustellen, der molekulargenetische Nachweis über eine PCR (Polymerase Chain Reaction). Dies ist das modernste und zuverlässigste Nachweisverfahren. Im Falle frisch infizierter Tiere kann eine Infektion unter Umständen jedoch noch nicht unmittelbar nachgewiesen werden, da der Virustiter noch unterhalb der Nachweisgrenze liegt.

  • Untersuchungsmaterial
    Als Untersuchungsmaterial kann EDTA-Blut, frisch gezogene Federn (mit
    Kiel) oder ein Kloakenabstrich eingesandt werden.

  • Behandlung
    Eine Therapiemöglichkeit ist derzeit nicht bekannt. Zur Vermeidung von APV-Infektionen müssen Hygienevorschriften genau eingehalten werden. Der sicherste Weg, einen APV-freien Bestand zu garantieren und zu überwachen, ist die Untersuchung aller Tiere auf das Virus. Hierzu bietet die PCR-Technik eine zuverlässige Möglichkeit. Neue Vögel sollten auf jeden Fall, bevor sie in den Bestand gesetzt werden, auf APV getestet und für mindestens 2 Monate in Quarantäne gehalten werden. Im Falle einer Infektion ist das Tier sofort aus dem Bestand zu entfernen und die Volieren zu desinfizieren.


Hinweise zum Probenmaterial